…und manchmal auch wie eine Schnecke in ihrem Haus.

Februar 23, 2018

Fast Drei Viertel der Hochsensiblen sind sozial introvertiert.
Sie schätzen wenige, enge Beziehungen mehr als einen großen Freundeskreis.
Sie mögen keine riesigen Menschenansammlungen und keine großen Partys.
Sie sind also ganz gern auch mal wie eine Schnecke, die sich in ihr Haus zurückzieht.
In unserer Kultur werden Extrovertierte mehr wertgeschätzt, denn sie umgeben sich gern mit vielen Menschen, sind umgänglich, reden gern und mögen Smalltalk.
Lange Zeit habe ich meine Introvertiertheit eher als Hindernis im Umgang mit anderen Menschen gesehen denn als etwas Gutes. Das sehe ich heute anders. Es ist wundervoll, ruhig zuhören zu können, während andere reden. Und es gibt in Gruppen immer jemanden, der sehr gern redet. Und wenige tiefe Beziehungen zu anderen Menschen können sehr viel bereicherrnder sein als ein großer, unüberschaubarer Kreis von Bekannten.
Der Psychiater C.G. Jung, der sehr viel zu Introvertiertheit geforscht hat, hat es mal so schön ausgedrückt, was Introvertiertheit (positiv gesehen) ist:
“Von einem höheren Standpunkt aus gesehen sind solche Menschen lebendige Zeugen für die Tatsache, dass die reiche und vielbewegte Welt und ihr überquellendes und berauschendes Leben nicht nur außen, sondern auch innen ist.”
Im Inneren von Introvertierten spielt sich eine Menge ab, tiefgründiges Denken, reflektieren, hinterfragen, wirklich verstehen wollen, mit Erinnerungen verknüpfen…- und ich sehe es heute als eine großartige Fähigkeit an, dass nicht immer alles davon sofort nach außen muss. Denn es gibt sooo viele Menschen, die permanent auf Sendung sind. Und das kann echt anstrengend sein.
Wenn man es als introvertierter Mensch schafft, seine Schüchternheit zu überwinden, ist die Mischung aus Offenheit und Introvertiertheit perfekt. Und wie überwindet man seine Schüchternheit? Meine eigene Erfahrung zeigt, dass es wirklich hilft, offen auf andere Menschen zuzugehen, zuhören kann ich von Natur aus und wenn ich dann nicht immer denke, der andere könnte mich nicht mögen, ist schon viel gewonnen. Warum sollte der andere mich nicht mögen? Genau. Es gibt dafür meist keinen Grund. Und so hilft es wirklich weiter, sich diese Frage vor einer Begegnung zu stellen.
Dann kommt die Schnecke aus ihrem Haus und geht langsam und behutsam ihren Weg.